All das Schöne

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Auszug Allgemeine Zeitung 09.05.2017:

 

„Schornsheimer Kulturhof „Oma Inge“ zeigt „All das Schöne“

 

Foto: Axel Schmitz

Von Roswitha Wünsche-Heiden

SCHORNSHEIM – „All das Schöne“ ist zum einen die Lebensgeschichte eines Jungen mit einer depressiven Mutter, zum anderen der zweite Teil einer Erfolgsgeschichte, die das Ehepaar Yilmaz gerade in seinem Scheunentheater zu schreiben begonnen hat……

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Während sich die Zuschauer noch ihre Plätze in dem 60 Personen fassenden Scheunenraum suchten, setzte sich der Gitarrist Jay Schreiber vor die Bühne und improvisierte gefällig vor sich hin. Ein jüngerer Mann kam hinzu, nahm Kontakt zu einigen Zuschauern auf und begann unvermittelt zu erzählen: „Das mit der Liste fing am 9. November 1988 an.“ Damals war er sieben Jahre alt, sein Vater holte ihn von der Schule ab und nahm ihn mit zu seiner Mutter ins Krankenhaus. Selbstmordversuch. Harter Stoff, vor allem, als man erfuhr, dass das nicht der letzte bleiben würde.

Doch wie der Schauspieler Matthias Lamp die Geschichte des Protagonisten erzählte, das wirkte kindlich unbeschwert, fast heiter. …..

Es forderte das Fingerspitzengefühl des Schauspielers, damit die Todeserfahrung des Siebenjährigen beim Einschläfern seines Hundes oder sein psychologisches Gespräch mit Lieblingslehrerin Frau Figge und ihrem sprechenden Sockenhund nicht zur Comedy entglitten. Doch bei der 23. Aufführung an wechselnden, bewusst klein gehaltenen Aufführungsorten, die diese Unmittelbarkeit der Erzählweise erst möglich machen, war das für die Abendspielleiterin Bianca Wolf nicht wirklich zu befürchten. Für Lamp war das Angebot, jeden Abend eine in Teilstücken andere Aufführung zu erleben, schauspielerisch eine große Herausforderung, der er sich gern stellte.

70 Minuten dauerte die Umsetzung der Textvorlage von Duncan Macmillan entlang der bis zum Ende auf eine Million Eintragungen angewachsene therapeutische Liste, die das Kind als Antwort auf die Aussage der depressiven Mutter begonnen hatte, die bei ihrem ersten Suizid-Versuch in der Welt nichts Gutes mehr sehen konnte. Beim zweiten Versuch ist Matze in der Pubertät. „Fänger im Roggen“ und „Die Leiden des jungen Werther“ spielen in die Bewältigung des Ereignisses hinein und die Eintragungen in die Liste sind provokant.

Vor dem finalen dritten Versuch erlebt Matze die Höhen und Tiefen der Liebe zu Uli und der Zuschauer mit ihm, denn Schreiber, der zuvor schon musikalisch die Beziehung des Jungen zu seinem Vater mitvollzog, ließ mit Zitaten aus gängigen Hits die glückliche Zeit entstehen, in der sich die ganze Welt um Uli dreht. Nicht zu vergessen sind hier die unter die Haut gehenden Titel „Some things last a long time“ (Daniel Johnston) und „Into each life some rain must fall“ (Ella Fitzgerald), deren Interpretation zu dem lang andauernden Schlussapplaus“

Wir waren alleglücklich diesen schönen Abend erlebenzu dürfen.